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ERP Blog: BüroWARE & WEBWARE ERP

Dienstag, 9. Dezember 2014



Neue Umsatzsteuerregelungen beim Verkauf von eBooks, Apps und Co. Ab 1.1.2015

Mitten im Weihnachtsgeschäft müssen Online-Händler gesetzliche Neuerungen beachten und im Shop umsetzen. Betroffen sind neben Lebensmittelhändlern (wir berichteten) auch Verkäufer „elektronisch erbrachter Leistungen“ wie Apps, eBooks, Downloads und Streams. Ab dem 1.1.2015 treten Neuerungen innerhalb der Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie (MwStSystRL) in Kraft. Folge davon ist, dass sich die betroffenen Unternehmer, die ihre Leistungen auch im europäischen Ausland erbringen, mit dem Steuerrecht der entsprechenden Länder auseinandersetzen und ihre Shop-Seite umgestalten müssen. In der umsatzstärksten Zeit des Jahres würden die meisten Shop-Betreiber auf diesen Extraaufwand sicher gerne verzichten.

Was ändert sich?

Ab dem 1.1.2015 sind Umsätze, die im europäischen Ausland beim Verkauf bestimmter Waren erzielt werden, nicht mehr im Land der Niederlassung des Verkäufers abzuführen, sondern in dem Mitgliedstaat, in dem der Käufer seinen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Mit der Gesetzesänderung richtet sich „der Ort der Leistungserbringung“ also nicht mehr nach dem Verkäufer, sondern nach seinem Kunden.

Wer ist betroffen?

Die Neuregelung bezieht sich auf Unternehmer, die ihre Leistungen gegenüber Verbrauchern erbringen. Betroffen ist folglich ausschließlich der b2c-Handel. Im b2b.Bereich bleibt es bei den bekannten Vorgaben. Relevant werden die Änderungen zudem nur dann, wenn der Händler seine Waren in das europäische Ausland vertreibt. Liefert der Verkäufer ausschließlich innerhalb des eigenen Sitzlandes, ändert sich nichts.

Welche Waren sind betroffen?

Die neuen Vorgaben gelten auch nicht für sämtliche Waren. Die Änderung bezieht sich auf Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen sowie elektronisch erbrachte Dienstleistungen. Für Online-Händler sind vor allem Letztgenannte relevant.

Darunter fallen Downloads und Streams von Videos, Musik, Filmen, Texten oder anderen Informationen, Applications (Apps), Software sowie deren Update und Fernwartung, eBooks, Online-Spiele, Suchmaschinen und andere Internetdienste, sofern sie entgeltlich sind, aber auch das Webhosting oder Erstellen von Web-Seiten.

Gelten die Neuerungen für alle „digitalen Inhalte“?

Die Gesetzesänderung bezieht sich allerdings nur auf Leistungen, die auf elektronischem Weg erbracht werden. Das sind solche, die über das Internet oder ein anderes elektronisches Netz erfolgen. Das trifft nicht auf digitale Inhalte zu, die auf einem Datenträger gespeichert und an den Käufer übermittelt werden. Für Musik, Filme, Software und Co. die sich auf CDs, DVDs, USB-Sticks oder anderen Datenträgen befinden, bleibt es folglich bei den alten rechtlichen Anforderungen. Die Umsatzsteuer ist in dem Land abzuführen, in dem der Verkäufer seinen Sitz hat.

Der Gesetzgeber stellt auch klar, dass es sich nicht deshalb um „elektronisch erbrachte Leistungen“ handelt, weil die Bestellung auf elektronischem Weg, etwa per „Bestell-Button“ oder mittels E-Mail erfolgt ist. Folglich sind nicht alle Online-Händler von den Änderungen betroffen, sondern nur Verkäufer der oben genannten Leistungen.

Was muss getan werden?

Da die Umsatzsteuer für elektronisch erbrachte Leistungen in dem Land abgeführt werden muss, in dem der Käufer seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat, muss sich der Händler mit den Steuergesetzen der Mitgliedstaaten befassen, in die er liefert. Er muss sich in jedem Land steuerrechtlich registrieren lassen, eine Steuererklärung abgeben und den angefallenen Steuerbetrag abführen. Darüber hinaus muss er sich selbstverständlich an die weiteren rechtlichen Vorgaben halten, etwa beim Inhalt und der Gestaltung von Rechnungen.

Wer EU-weit liefert, muss demnach 28 verschiedene Gesetze kennen und einhalten, 28 Registrierungen vornehmen und jährlich 28 Steuererklärungen abgeben. Gerade kleine und mittelständische Unternehmer (KMU) dürfte das vor nahezu unlösbare Aufgaben stellen.

Gibt es einen leichteren Weg?

Die Änderungen sollen mehr Steuergerechtigkeit schaffen, um den Handel mit elektronischen Leistungen auch für KMU interessanter zu machen. Um diese durch den zusätzlichen Aufwand nicht abzuschrecken, hat der Gesetzgeber ein vereinfachtes Verfahren, das sog. „Mini-One-Stop-Shop“-Verfahren (MOSS), eingeführt. Unternehmer müssen sich – wenn sie sich dafür entscheiden – lediglich bei einer zentralen Stelle, in Deutschland der bei der Bundeszentrale für Steuern angegliederten „kleinen einzigen Anlaufstelle“ (KEA), registrieren, dort quartalsweise eine Erklärung über sämtliche im europäischen Ausland erbrachten Umsätze abgeben und die Steuern als Gesamtbetrag abführen. Die KEA übernimmt dann die Weiterleitung und Verteilung.

Eine Registrierung für das MOSS ist seit dem 1.10.2014 möglich:

https://www.elsteronline.de/bportal/bop/Oeffentlich.tax

Besteht weiterer Handlungsbedarf?

Neben der Einhaltung der neuen steuerrechtlichen Vorgaben kommt auf die betroffenen Unternehmer aber noch weiterer Handlungsbedarf zu. Nach der Preisangabenverordnung (PAngV) sind Online-Händler verpflichtet, Gesamtpreise auf der Shop-Seite anzugeben. In diese müssen die Mehrwertsteuer und weitere Bestandteile bereits einberechnet sein, damit der Kunde weiß, welche Kostenlast insgesamt auf ihn zukommt.

Wenn sich künftig der Mehrwertsteuersatz aber danach richtet, aus welchem Land der Käufer stammt, kann eine Berechnung des Gesamtpreises erst dann erfolgen, wenn das System diese Information erhalten hat. Der Webshop muss also so gestaltet sein, dass der Interessent, bevor er genauere Informationen zum Produkt erhält, angeben muss, in welchem Mitgliedstaat er seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthaltsort hat.

Welche Umsetzungsmöglichkeiten gibt es für die rechtskonforme Preisangabe?

Um eine korrekte Preisangabe zu gewährleisten, kann eine Checkbox in das System eingepflegt werden, die gleich nach Betreten des Webshops den Kunden um die entsprechende Angabe bittet. Möglich ist auch die Verwendung von Geo-Targeting oder Länderdomains („… .de“, „… .at“, „… .nl“). In jedem Fall ist eine technische Anpassung des Shops erforderlich.

Eine einfachere Handhabung könnte die Verwendung von Einheitspreisen darstellen. Gibt der Verkäufer seine Preise also in der Form „9,90 EUR inkl. MwSt“ für alle seine (in- und ausländischen) Kunden an, muss er nicht bereits zu Beginn des Besuchs den Wohnort abfragen, sondern kann das innerhalb des Bestellverlaufs tun. Der Nachteil bei diesem Verfahren ist dann allerdings, dass der Gewinn des Händlers davon abhängt, aus welchem Land der Käufer kommt.

Ob diese Vorgehensweise seitens der Gerichte als rechtskonform eingestuft wird, muss allerdings zunächst abgewartet werden.

Zu beachten ist darüber hinaus, dass sich die Höhe des Mehrwertsteuersatzes auch danach richtet, welches Produkt verkauft wird. So unterliegen eBooks in einigen Mitgliedstaaten einem ermäßigten Steuersatz. Einen Überblick über die Steuersätze der EU-Mitgliedstaaten erhalten Sie hier:

http://ec.europa.eu/taxation_customs/resources/documents/taxation/vat/how_vat_works/rates/vat_rates_de.pdf

Fazit

Festzuhalten ist, dass die rechtlichen Neuerungen wieder einiges an Arbeit nach sich ziehen, und das zu einer Zeit, in der Shop-Betreiber ohnehin alle Hände voll zu tun haben. Wer keine Abmahnungen riskieren will, sollte sich schnellstmöglich bei der KEA registrieren und sein Shopsystem den neuen Anforderungen anpassen. Über die weiteren rechtlichen Entwicklungen in diesem Bereich halten wir Sie natürlich auf dem aktuellsten Stand.

Ihr Protected Shops Team

www.protectedshops.de