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Donnerstag, 2. April 2015



Amazon: Händler müssen lokale Retourenadressen oder kostenlosen Rückversand anbieten

Wer für den Verkauf seiner Waren Online-Marktplätze wie Amazon nutzt, hat den Vorteil eines etablierten und funktionierenden Shop-Systems und eines enormen Kundenstammes. Der Nachteil ist, dass die Verkaufsbedingungen vom Plattformbetreiber vorgeschrieben werden und vom Nutzer kaum an die eigenen Wünsche und Vorstellungen angepasst werden können. Seit dem 12. März 2015 müssen Amazon-Händler neue Vorgaben für die Warenrücksendung einhalten, wenn sie weiterhin über die Plattform verkaufen wollen.

Was ändert sich?

Die neue Amazon-Richtlinie schreibt vor, dass die Händler in jedem Land, in dem sie einen Amazon-Marktplatz nutzen (Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Vereinigtes Königreich - UK), eine lokale Adresse zur Verfügung stellen müssen, an die die Kunden Waren, die sie nicht behalten möchten, zurückschicken können. Kann - oder will - der Verkäufer eine solche Retourenstelle nicht einrichten, muss er die Kosten der Rücksendung tragen. Amazon möchte dadurch den Käufern hohe Auslandsversandgebühren ersparen.

Welche Folgen hat die neue Richtlinie für die Verkäufer?

Konkret heißt das, dass ein Verkäufer, der beispielsweise auf „amazon.de“ seine Waren anbietet, in Deutschland eine Retouren-Stelle einrichten muss. Das ist dann kein Problem, wenn die Artikel an die deutsche Geschäftsadresse zurückgeschickt werden können.

Schwieriger wird es, wenn mehrere Marktplätze genutzt werden. Bietet ein deutscher Unternehmer seine Produkte etwa auf „amazon.de“ und „amazon.es“ an, muss er sowohl in Deutschland als auch in Spanien eine lokale Rücksendeadresse zur Verfügung stellen. Für den Rückversand aus Deutschland kann er auch weiterhin seine Geschäftsanschrift nutzen. In Spanien müsste er aber eine zusätzliche Retouren-Stelle für seine spanischen Kunden einrichten. Kann oder will er das nicht, ist er gezwungen, die Rücksendekosten aus Spanien an den deutschen Firmensitz zu zahlen.

 

Das Gleiche gilt, wenn zwar nur ein Amazon-Marktplatz genutzt wird, etwa „amazon.fr“, aber die Waren aus Deutschland versendet werden. Sollen die Artikel von den Kunden dann an diese deutsche Adresse retourniert werden, muss der Händler ebenfalls die Kosten tragen. Alternativ kann er eine Rücksendestelle in Frankreich anbieten.

Was hat Amazon davon?

Solange sich Amazon an die gesetzlichen Vorgaben hält, kann das Unternehmen seinen Händler derartige Bedingungen durchaus vorschreiben. Entscheidend ist, dass der Verbraucher, also der Käufer, in seinen Rechten nicht eingeschränkt wird. Durch die Neuregelung wird ihm eine (Kosten-)Last genommen, sie ist für ihn also vorteilhaft und deshalb rechtmäßig. Der Marktplatz wird für die Verbraucher auf diese Weise noch attraktiver, wodurch Amazon seine Marktstellung behaupten und weiter ausbauen kann.

 

Der eCommerce-Riese dürfte aber noch weitere Vorteile haben. Innerhalb des Schreibens an seine Händler, das über diese Neuerungen informiert, werden bereits Unternehmer genannt, die die Einrichtung von ausländischen Rücksendestellen für die Verkäufer übernehmen können. Das lässt die Vermutung aufkommen, dass Amazon Provisionen für jeden Vermittelten Kunden erhält.

 

Außerdem wirkt sich die Richtlinie hauptsächlich auf diejenigen Verkäufer aus, die ihre Waren selbstständig versenden. Hingegen ist der „Versand durch Amazon“ nur minimal betroffen. Das könnte einige Händler bewegen, auf den eigenständigen Versand zu verzichten und diesen vom Plattformbetreiber durchführen zu lassen. Für den Warenversand und die Lagerung der Artikel verlangt Amazon allerdings Gebühren.

 

Die Produkte, die durch Amazon versendet werden, stehen zudem dem - kostenpflichtigen - „Prime-Service“ zur Verfügung und werten diesen entsprechend auf.

Was passiert, wenn man die Vorgaben nicht umsetzt?

Händlern, die die neue Richtlinie nicht umsetzen, hat Amazon bereits mit dem Entzug der Verkäuferlizenz gedroht. Die Nutzung der Marktplätze wäre dann ausgeschlossen, was viele Unternehmer wohl an den Rand ihrer Existenz bringen würde.

 

Auch wenn keine wettbewerbsrechtlichen Abmahnungen zu befürchten sind, wird den Amazon-Händlern wohl nichts anderes übrig bleiben, als sich zu fügen.

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